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Wasserbüffelmehl im Petfood. Einordnung eines kollagen- und mineralstoffgeprägten Rohstoffs

Aktualisiert: 13. Mai

Wasserbüffelmehl wird im Heimtierfutter häufig als alternative tierische Proteinquelle

eingeordnet. Ein genauer Blick auf Zusammensetzung, Analytik und Aminosäureprofil zeigt jedoch, dass diese Einordnung zu kurz greift. Seine Eigenschaften unterscheiden es deutlich von klassischen Fleischmehlen und bestimmen, wie es sinnvoll eingesetzt werden kann.



Herkunft und tierartliche Einordnung


Wasserbüffel (Bubalus arnee bzw. domestiziert Bubalus bubalis) gehören zur Familie der Boviden, sind jedoch nicht identisch mit dem Hausrind (Bos taurus). Trotz ähnlicher Nutzung unterscheiden sich beide Tierarten in Herkunft, Haltung und Rohstoffbasis.


Das eingesetzte Wasserbüffelmehl stammt aus Indien, wo Wasserbüffel traditionell in der Landwirtschaft genutzt werden und ganzjährig zur Verfügung stehen. Die kontinuierliche Schlachtung ermöglicht eine gleichbleibende Rohstoffqualität ohne ausgeprägte saisonale Schwankungen.


Für die Rezepturpraxis ist die klare Abgrenzung zum Rind relevant, insbesondere im Kontext von Monoprotein-Konzepten und bei der Entwicklung alternativer tierischer Proteinquellen.



Rohstoffbasis und Verarbeitung


Das von animalPro nutrition GmbH angebotene Wasserbüffelmehl wird in einem spezialisierten Schlachtbetrieb hergestellt, in dem ausschließlich Wasserbüffel verarbeitet werden. Eine Vermischung mit anderen tierischen Proteinquellen im Herstellungsprozess ist damit ausgeschlossen und ermöglicht eine klare Monoprotein-Zuordnung.


Mögliche Kreuzkontaminationen können lediglich im Spurenbereich beim Umschlag auftreten.


Als Ausgangsmaterial dienen überwiegend Knochen sowie in geringerem Umfang

Fleischabschnitte und Innereien. Diese Zusammensetzung prägt den Rohstoff entscheidend und erklärt den hohen Mineralstoffgehalt sowie das kollagengeprägte Aminosäureprofil.


Die Verarbeitung erfolgt durch Drucksterilisation gemäß Methode 1 der VO (EU) 1069/2009 bei 133 °C, 3 bar und 20 Minuten. Dieses Verfahren stellt eine hohe mikrobiologische Sicherheit und eine gleichbleibende Produktqualität sicher.



Analytik - Hoher Mineralstoffgehalt als prägendes Merkmal


Die Analytik zeigt ein für knochenhaltige Rohstoffe typisches Bild:

• Rohprotein etwa 48–52 %

• Rohfett etwa 6–9 %

• Rohasche etwa 32–36 %

• Calcium etwa 12–14 %

• Phosphor etwa 5–7 %


Die Schwankungen liegen im Bereich von etwa ±3 % absolut und sind rohstoffbedingt. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis liegt stabil bei etwa 2:1.


Der hohe Rohaschegehalt hebt Wasserbüffelmehl deutlich von klassischen Fleischmehlen ab. Während diese primär als Proteinträger dienen, bringt Wasserbüffelmehl gleichzeitig relevante Mengen an Mineralstoffen in die Ration ein.




Aminosäuren - Warum der Blick hinter den Rohproteingehalt


Der Rohproteingehalt allein sagt wenig darüber aus, wie gut ein Protein ernährungsphysiologisch nutzbar ist. Entscheidend sind die enthaltenen Aminosäuren, also die Bausteine des Proteins.


Für die Fütterung bedeutet das: Hunde und Katzen benötigen bestimmte essenzielle

Aminosäuren in ausreichender Menge. Fehlen einzelne Bausteine oder sind sie nur in geringer Konzentration vorhanden, kann das Protein insgesamt schlechter genutzt werden, selbst wenn der Rohproteingehalt hoch ist.


Für die Produktentwicklung ist die Aminosäurezusammensetzung daher zentral. Sie entscheidet darüber, ob ein Rohstoff zur Deckung des Bedarfs geeignet ist oder gezielt ergänzt werden muss.


Das vorliegende Aminosäureprofil liefert hier einen klaren Einblick:

• Glycin etwa 8–9 %

• Prolin etwa 4–5 %

• Glutaminsäure etwa 5–6 %

• Lysin etwa 2 %

• Methionin etwa 0,5–0,6 %

• Cystein etwa 0,6–0,7 %

• Tryptophan etwa 0,15–0,2 %


Die hohen Gehalte an Glycin und Prolin sind typisch für kollagenreiche Gewebe und spiegeln den Knochen- und Bindegewebsanteil wider.


Gleichzeitig zeigen sich bei essenziellen Aminosäuren, insbesondere Methionin und Tryptophan, vergleichsweise niedrige Gehalte. Diese Aminosäuren sind jedoch für Hund und Katze essenziell und müssen über die Ration ausreichend bereitgestellt werden.


Für die Katze ist diese Einordnung besonders relevant. Sie hat einen deutlich höheren Bedarf an schwefelhaltigen Aminosäuren und ist stärker auf eine kontinuierliche Zufuhr angewiesen. Rohstoffe mit kollagengeprägtem Aminosäureprofil tragen hierzu nur begrenzt bei und müssen entsprechend ergänzt werden.


Für die Praxis bedeutet das: Wasserbüffelmehl liefert Protein, trägt aber nur eingeschränkt zur Versorgung mit essenziellen Aminosäuren bei und sollte in der Rezeptur gezielt mit anderen Proteinquellen kombiniert werden.


Damit wird deutlich: Der Rohproteingehalt allein beschreibt die ernährungsphysiologische Qualität eines Rohstoffs nicht ausreichend.


Dieses Aminosäureprofil zeigt sich auch in der biologischen Wertigkeit und Verdaulichkeit des Proteins.



Proteinqualität und Verdaulichkeit


Aufgrund der Rohstoffzusammensetzung liegt die Proteinqualität unter der von

muskelfleischbasierten Proteinquellen.


Knochen- und kollagenreiche Bestandteile enthalten weniger essenzielle Aminosäuren und weisen eine geringere Verdaulichkeit auf. Literaturdaten zu Fleischknochenmehlen zeigen entsprechend reduzierte Werte für die scheinbare Proteinverdaulichkeit sowie einen geringeren Anteil verdaulichen Rohproteins.


Zusätzlich kann die thermische Behandlung im Rahmen der Drucksterilisation die

Proteinverfügbarkeit weiter beeinflussen.


Für die Praxis bedeutet das: Wasserbüffelmehl liefert Protein, ist aber kein primärer Rohstoff zur Deckung des Aminosäurebedarfs.



Der entscheidende limitierende Faktor: Calcium und Phosphor


Der Mineralstoffgehalt bestimmt maßgeblich die Einsatzgrenzen.


Mit Calciumgehalten von etwa 12–14 % führt bereits eine moderate Einsatzmenge zu relevanten Einträgen in die Ration. Bei einem Einsatz von:

• 10 % ergeben sich etwa 1,2 % Calcium im Endfutter

• 15 % etwa 1,8 % Calcium

• 20 % etwa 2,4 % Calcium


Damit werden die empfohlenen Höchstgehalte der FEDIAF (2025) schnell erreicht, insbesondere bei heranwachsenden Tieren.


Der Einsatz wird daher in der Praxis nicht durch den Proteingehalt, sondern durch Calcium und Phosphor begrenzt.



Qualität und Frische


Ein oft unterschätzter Parameter sind biogene Amine, die Hinweise auf Rohstoffqualität und Lagerung geben.


Die vorliegenden Analysen zeigen sehr niedrige Gehalte, beispielsweise:

– Histamin <10 mg/kg

– Putrescin <10 mg/kg


Das spricht für eine kontrollierte Rohstoffverarbeitung und gute Frischequalität.



Einordnung in der Rezeptur


Wasserbüffelmehl vereint mehrere funktionelle Eigenschaften in einem Rohstoff. Es liefert Protein, bringt gleichzeitig relevante Mengen an Calcium und Phosphor ein und enthält kollagenreiche Strukturbestandteile.


Diese Kombination macht den Rohstoff insbesondere für Anwendungen interessant, bei denen neben der Proteinversorgung auch die Mineralstoffgestaltung und strukturelle Eigenschaften berücksichtigt werden sollen.


In der Praxis wird Wasserbüffelmehl daher gezielt eingesetzt, zum Beispiel:

• zur Kombination von Protein- und Calciumquelle in einer Zutat

• zur Ergänzung kollagenreicher Bestandteile in der Rezeptur

• in Monoprotein-Konzepten mit alternativen tierischen Rohstoffen


Voraussetzung ist eine bewusste Einbindung in die Gesamtformulierung, insbesondere im Hinblick auf Aminosäureprofil und Mineralstoffgehalt.



Fazit


Wasserbüffelmehl vereint Protein, Mineralstoffe und kollagenreiche Strukturen in einem

Rohstoff. Genau diese Kombination macht ihn interessant – und gleichzeitig anspruchsvoll in der Anwendung.


Der Einsatz erfordert eine bewusste Rezepturführung unter Berücksichtigung von Calcium, Phosphor und Aminosäureprofil.


Richtig eingesetzt, bietet Wasserbüffelmehl eine funktionale Ergänzung im Rohstoffportfolio. Ohne diese Einordnung wird der Rohstoff häufig falsch eingesetzt.





 
 

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