Garnelenmehl und Garnelenhydrolysat
- Dr. Melanie Thes
- 27. Jan. 2020
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 14 Stunden
Garnelenbasierte Rohstoffe werden im Heimtierfutter gezielt eingesetzt, unterscheiden sich jedoch deutlich in Zusammensetzung, technologischer Funktion und Einsatzbereich. Die folgenden Ausführungen basieren auf den produktspezifischen Analysen der animalPro nutritionGmbH und ordnen diese fachlich ein.
Garnelenmehl. Protein und Mineralstoffe aus marinen Rohstoffen
Das von animalPro nutrition GmbH angebotene Garnelenmehl ist ein Einzelfuttermittel
tierischen Ursprungs der Kategorie 3. Es wird aus Garnelennebenprodukten hergestellt und dampfgetrocknet, um hitzebedingte Proteinschädigungen zu vermeiden.
Die analytischen Kennzahlen zeigen ein mineralstoffgeprägtes Protein:
• Rohprotein mindestens 50 Prozent.
• Rohfett mindestens 9 Prozent.
• Rohasche maximal 23 Prozent.
• Calcium mindestens 4 Prozent, letzte Analyse: 7,8 Prozent.
• Phosphor mindestens 1,5 Prozent, letzte Analyse: 1,9 Prozent.
Garnelenmehl liefert damit nicht nur Protein, sondern stellt zugleich eine relevante Calciumund Phosphorquelle dar. Der erhöhte Rohaschegehalt ist rohstofftypisch und prägt den Einsatzbereich des Garnelenmehls. Er ist bei der Rezepturführung zu berücksichtigen, insbesondere in mineralstoffsensiblen Anwendungen wie Katzenfutter oder diätetischen Konzepten.
Der Wassergehalt liegt unter 12 Prozent und unterstützt eine stabile Lagerfähigkeit. Bei
sachgerechter Lagerung beträgt die Haltbarkeit bis zu 12 Monate.
Ein wesentlicher Bestandteil des Garnelenmehls ist Chitin aus den Schalenanteilen der Garnelen. Der rohstofftypisch zweistellige Chitingehalt erhöht den Rohfaseranteil und beeinflusst bei steigender Einsatzmenge die Verdaulichkeit des Gesamtrezepts. Dieser Effekt sollte bei der Rezepturgestaltung berücksichtigt werden.
Sensorisch liegt das Garnelenmehl als rosa-rotes, fein vermahlenes Produkt mit sichtbaren Schalenpartikeln vor. Der Geruch ist salzig-maritim und deutlich milder als bei klassischem Fischmehl. Garnelenmehl wird seit langem auch in der Aquaristik eingesetzt. Dort dient es als technologisch etablierte Proteinquelle mit hoher Akzeptanz und natürlicher Attraktivität, insbesondere in Futtermitteln für Zierfische. Die Kombination aus Protein, marinem Aroma und Schalenanteilen ist in diesem Bereich technologisch etabliert und gut untersucht. Diese Erfahrungen lassen sich in Teilen auch auf Anwendungen im Heimtierfutter übertragen.
Garnelenhydrolysat. Hydrolysierte Peptide für gezielten Einsatz
Das Garnelenhydrolysat ist ebenfalls ein Einzelfuttermittel der Kategorie 3. Es wird
enzymatisch hydrolysiert und anschließend sprühgetrocknet, um Proteine gezielt in kleinere, gut lösliche Peptide zu überführen.
Die Analytik zeigt folgendes Profil:
• Rohprotein mindestens 60 Prozent.
• Rohfett etwa 10 Prozent.
• Rohasche maximal 18 Prozent.
• Calcium etwa 1,15 Prozent.
• Phosphor etwa 0,81 Prozent.
• Natrium mindestens 1,4 Prozent.
Der Wassergehalt liegt unter 5 Prozent und trägt zur mikrobiologischen Stabilität bei. Bei sachgerechter Lagerung beträgt die Haltbarkeit auch hier bis zu 12 Monate.
Trotz des im Vergleich zum Garnelenmehl deutlich niedrigeren Calcium- und Phosphorgehalts weist das Garnelenhydrolysat weiterhin einen nennenswerten Rohascheanteil auf. Dieser resultiert überwiegend aus löslichen Salzen, wie sie für marine Rohstoffe typisch sind.
Ein zentrales Merkmal des Garnelenhydrolysats ist der hohe Anteil sehr kleiner Proteinbausteine. Bezogen auf das Gesamtprodukt entspricht dies mindestens 55 Prozent niedermolekularer Peptide, überwiegend unter 1200 Dalton.
Durch den hohen Anteil kurzkettiger Peptide ist Garnelenhydrolysat besonders gut löslich und weist eine hohe Proteinverfügbarkeit auf.
In der Praxis wird Garnelenhydrolysat häufig zur Akzeptanzsteigerung und als Aromaträger eingesetzt, zum Beispiel in Trocken- und Nassfutterrezepturen für wählerische Tiere, in funktionellen Snacks oder in Spezialrezepturen mit erhöhtem Anspruch an Proteinverfügbarkeit.
Sensorisch liegt das Garnelenhydrolysat als sehr feines, homogenes, rostrot-braunes Pulver vor. Der Geruch ist ausgeprägt und entspricht dem für enzymatisch hergestellte Protein-Hydrolysate typischen sensorischen Profil.
Rechtliche Einordnung und zugelassene Tierarten
Garnelenmehl und Garnelenhydrolysat sind verarbeitete tierische Proteine der Kategorie 3 und unterliegen klaren rechtlichen Vorgaben.
Zulässig ist der Einsatz bei Hunden und Katzen, Zierfischen und Aquakulturfischen sowie bei nicht lebensmittelliefernden Tieren.
Nicht zulässig ist der Einsatz bei lebensmittelliefernden Landtieren wie Schwein, Geflügel, Rind, Schaf oder Ziege.
Diese Abgrenzung ist rechtlich begründet. Fischmehl stellt eine ausdrücklich zugelassene Ausnahme dar. Krustentiere wie Garnelen gelten rechtlich nicht als Fisch und fallen daher nicht unter diese Ausnahme.
Rohstoffsicherheit und Deklaration
Die Rohstoffe stammen aus einer spezialisierten Garnelenverarbeitung in Südamerika. DieVerarbeitung erfolgt in Anlagen, die ausschließlich für Garnelen ausgelegt sind. Dadurch wird das Risiko von Fremdproteineinträgen bereits auf Prozessebene minimiert.
Beim Import unterliegen die Rohstoffe einer veterinäramtlichen Kontrolle. Schwermetalle werden chargenweise analysiert. Die Gehalte an Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen liegen unter den geltenden gesetzlichen Höchstgehalten und sind für marine Rohstoffe typisch.
Darüber hinaus werden die Rohwaren chargenweise auf Etoxyquin sowie Nitrite untersucht, um eine gleichbleibende Qualität und Produktsicherheit sicherzustellen.
Die Monoprotein-Eigenschaft wird dokumentenbasiert sichergestellt. Für das
Garnelenhydrolysat liegt zusätzlich eine DNA-Analyse vor, die keine Fisch-DNA oberhalb der Nachweisgrenze zeigt. Salmonellen wurden nicht nachgewiesen, Enterobacteriaceae lagen unter der Nachweisgrenze.
Deklariert werden die Rohstoffe als Krustentiermehl (Garnelen) bzw. hydrolysiertes
Krustentiermehl (Garnelen). Beide Produkte sind Einzelfuttermittel.
Einordnung für die Praxis
Die Analytik zeigt, dass Garnelenmehl und Garnelenhydrolysat unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Garnelenmehl liefert Protein, unlösliche Schalenanteile sowie relevante Mengen an Calcium und Phosphor.
Garnelenhydrolysat liefert hochverdauliche Peptide bei moderater Mineralstoffausstattung und eignet sich besonders für funktionelle Anwendungen.
Eine fachlich korrekte Anwendung setzt voraus, diese Unterschiede zu kennen und in der Formulierung zu berücksichtigen. Genau hier positioniert sich animalPro nutrition GmbH als Rohstoffpartner mit transparenter Datenbasis und klarer fachlicher Einordnung.
Kurzübersicht Garnelenmehl vs. Garnelenhydrolysat
Merkmal | Garnelenmehl | Garnelenhydrolysat |
Rohstoffcharakter | Mehl mit Schalenanteilen | Enzymatisch hydrolysiertes Pulver |
Rohprotein | ≥ 50 % | ≥ 60 % |
Rohasche | ≤ 23 % | ≤ 18 % |
Calcium/Phosphor | höher | deutlich niedriger |
Peptidanteil | überwiegend intaktes Protein | ≥ 55 % Peptide < 1200 Da |
Typischer Einsatz | Protein, Mineralik, Akzeptanz, Aquaristik & Petfood | Akzeptanz, Aromaträger, hohe Verdaulichkeit, Petfood |